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Multifunktionaler Wurzelraum für Stadtbäume

In Österreich gibt es bisher kein multifunktionales bauliches Prinzip im Straßenbau, das die verschiedenen aktuellen Anforderungen im Umgang mit vitalen Straßenbäumen und lokalem Regenwassermanagement berücksichtigt und an die lokalen Bedingungen angepasst ist.

In einigen europäischen Staaten gibt es dazu schon einen Stand der Technik, der auf einige Jahrzehnte an Erfahrungen aufbauen kann. Im Wesentlichen geht es hierbei um Fragen des Unterbaus von befestigten Flächen und der Durchwurzelbarkeit sowie der temporären Retention von Regenwasser.

Bis auf einen Piloten in Graz und einzelne Vorprojekte sowie Planungen für die Seestadt in Wien-Aspern für 2021, gibt es noch keine Anwendungen und Erfahrungswerte, die über dieses Versuchsstadium hinausgehen. Weder in pedologischer, klimatischer, noch in hydrologischer und pflanzlicher Sicht.

Dieses Fehlen an Erfahrungswerten basiert auf der Tatsache, dass die bisher entwickelten Komponenten und technischen Lösungen aus Zeitmangel nahezu 1:1 an dem "Stockholmer Modell" (der schwedischen "Schwammstadt") angelehnt sind.

In Österreich braucht es dazu eine angewandte Forschung und Entwicklung, um für die lokalen meteorologischen, geologischen und klimatischen Bedingungen die richtigen fachlichen Antworten zu finden. So ist die große Anzahl an Frost-Tauwechseln zum Beispiel für den Umgang mit den Schlämmkornsubstraten sehr wichtig.

Die Motivation zur Durchführung eines F&E Projekts ist durch den großen Entwicklungsbedarf in diesen Bereichen gegeben. Die Notwendigkeit durch Umsetzungsprojekte und angewandte Forschung zu rasch realisierbaren, messbaren und wirksamen Ergebnissen zu kommen, ist besonders in unseren Bestandsstädten enorm.

Inhalte und Zielsetzungen

  • Entwicklung regionaler Substrate: Ein erstes wichtiges Ziel ist die Entwicklung von innovativen Lösungen für strukturstabile und RVS-konforme Untersubstrate. 
  • Monitoring der Substratentwicklung: Entwicklung und Praktikabilität von geeigneten Schlämmkornsubstraten im Bereich der direkten Baumstandorte. Es gilt Lösungen zu finden, die auch in Österreich praktikabel sind.

Methodische Vorgehensweise

Monitoring der hydropedologischen Situation. Durch den Einbau von Fühlern und Saugkerzen werden die Wasserführung, die Leitfähigkeit und das Matrixpotential im Boden gemessen und die Auswirkungen auf längere Trockenphasen evaluierbar.

Erwartete Ergebnisse

Quantifizierung und Qualifizierung der Klima- und Retentionseffekte. Um das übergeordnete Ziel zur Klimaanpassung von Straßenräumen in dicht verbauten Bestandsstädten zu erreichen, ist die Wirkung von vitalen, großkronigen Straßenbäumen wichtig. Baumalter und entsprechende Größe des Blätterdachs sind Voraussetzungen, um diese Aufgabe übernehmen zu können (Schatten, Verdunstung, Kühlung, Filter etc.).

Etablierung als Standardbauweise. Besonders in der Bestandsstadt sowie die Übernahme in Regelwerke, damit das übergeordnete Ziel der klimaresilienten Stadt Realität werden kann. Denn der aktuelle Stand der Technik negiert die Entwicklung von Bäumen im Straßenraum.

Fakten

Funktion: Angewandte Forschung und Entwicklung eines baulichen Prinzips im Straßenbau
Kooperationspartner: Verein Land schafft Wasser
Auftraggeber: Stadt Graz
Fördergeber: Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft FFG (Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort und das Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie)
Förderprogramm: Stadt der Zukunft, 6. Ausschreibung
Themenfeld: Innovative Stadtbegrünungstechnologien
Planungsbeginn: 2020
Fertigstellung: 2023
Mitarbeit: Marek Lecko, Marion Tatzber

Pläne