Es ist offiziell: Die Neugestaltung der Praterstraße in Wien wurde mit dem CLiA – Österreichischen Staatspreis für Klimawandelanpassung 2026 ausgezeichnet. 2. Platz in der Kategorie „Hitze/Trockenheit“ – vergeben vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klimaschutz und Umwelt. Für uns ist das mehr als eine Trophäe im Regal. Es ist eine Bestätigung, dass der Ansatz stimmt: Einfache Lösungen für komplexe Herausforderungen – wenn man sie gemeinsam entwickelt.
Wie alles begann
2019 schrieb die Stadt Wien ein Verhandlungsverfahren für die Neugestaltung der Praterstraße aus. Das cuulbox-Team – 3:0 Landschaftsarchitektur, con.sens Verkehrsplanung und Weatherpark – setzte sich durch und wurde im Jänner 2020 mit der Planung beauftragt. Das übergeordnete Ziel war von Beginn an klar: Aufenthaltsqualität im Sinne der Klimawandelanpassung verbessern.
Was folgte, war ein intensiver Planungsprozess – mitten in der Pandemie. Zwei Bauabschnitte, mehrere Jahre Umsetzung. Im Oktober 2024 war die Praterstraße fertig. Heute ist sie eine andere Straße.
Innovationen statt Millionen
Das interdisziplinäre Team von cuulbox hat sich die Natur zum Vorbild genommen. Diese reguliert Verdunstung, Niederschlag und Abfluss von ganz allein. Ein Teil des Regenwassers wird im Boden zwischengespeichert, bevor es wieder vor Ort verdunsten kann – wodurch ein natürlicher Kühlungseffekt erzeugt wird. Dieses Prinzip „imitiert“ man mittels sogenanntem Schwammstadt-Prinzip und hält damit das Wasser bestmöglich im Kreislauf.
„Was zählt, ist nicht die Komplexität der Lösung, sondern ihre Wirkung. Die Praterstraße zeigt: Wenn Stadtklima, Mobilität und Freiraum von Anfang an zusammen denken, entstehen Orte, die wirklich funktionieren.“
Der Schlüssel: Interdisziplinäres Arbeiten von Tag Eins
Das ist der Kern des cuulbox-Ansatzes – und gleichzeitig das, was dieses Projekt von vielen anderen unterscheidet. Klimaanalysen, Mobilitätskonzept und Freiraumgestaltung wurden nicht nacheinander entwickelt, sondern von Beginn an als ein Entwurf. Weatherpark lieferte die thermischen Grundlagen: Wo wird es heiß? Wo brauchen wir Schatten? Welche Baumstandorte kühlen am effektivsten? con.sens analysierte die Verkehrsflüsse und identifizierte den Spielraum, der für mehr Grün und Radverkehr nötig war. 3:0 Landschaftsarchitektur übersetzte beides in gebauten Raum.
Das Ergebnis: keine Kompromisse, sondern ein kohärentes Gesamtkonzept.
Was gebaut wurde – und warum es wirkt
Die konkreten Maßnahmen sind nicht spektakulär. Aber sie greifen ineinander – und genau das macht den Unterschied:
- Rund 100 neue Bäume schließen die grüne Lücke zwischen Ringstraße und Praterallee – das war lange versprochen, jetzt ist es gebaut.
- Schwammstadt-Prinzip im Untergrund: Erweiterter Wurzelraum speichert Regenwasser, versorgt die Bäume in Trockenphasen und kühlt durch Verdunstung.
- Heller Belag, Wasserelemente, Beschattung kombiniert erzeugen ein spürbar anderes Mikroklima an heißen Tagen.
- Neuorganisation der Fahrbahnen: eine Spur stadtauswärts statt zwei. Der gewonnene Platz gehört jetzt Fußgänger:innen und Radfahrer:innen.
- Breite Radwege – Qualitätsstufe Rad-Langstrecke. Dazu die ersten „protected intersections“ Wiens.
- Vier Trinkbrunnen, drei Wasserelemente und großzügige Verweilflächen: Die Straße lädt zum Bleiben ein – nicht nur zum Durchfahren.
Die Botschaft hinter dem Preis
Der CLiA-Staatspreis zeichnet Projekte aus, die zeigen, wie Österreich auf den Klimawandel reagiert – konkret, umsetzbar, übertragbar. Dass die Praterstraße in der Kategorie „Hitze/Trockenheit“ ausgezeichnet wird, ist kein Zufall. Hitze ist das drängendste Problem unserer Städte. Und die Antwort liegt nicht in einem einzelnen, teuren Wundersystem – sondern im richtigen Zusammenspiel von Grün, Wasser, Schatten und Mobilität.



