Herrenhaus GartenKÜNSTLERISCHES LEITKONZEPT ZU EINEM HERRENHAUSPARK – DIE INSZENIERTE LANDSCHAFT Der parkähnlichen Gestaltung des Gartens einer Villa aus der Mitte des 19. Jhdts liegen im Wesentlichen drei Gestaltungsprinzipien dieser Zeit zugrunde, die auch heute noch klar ablesbar sind: 1. Der hohe Grad an Repräsentationsbewußtsein auch in entlegendsten und unwirtlich erscheinenden Gegenden, sich dieser aber auch gleichzeitig als Kulisse bedient 2. Die naturnahe, organische Formensprache der Gestaltung; „Englischer Garten“ 3. Die Verwendung von immergrünen, teilweise auch (für die Zeit neuen) fremdländischen Gehölzen, was für den Innovationsdrang der Zeit steht Angelehnt an diese drei Grundprinzipien galt es für uns, den Garten als neue Klammer auszuformulieren. Eine Klammer, die der aktuellen baulichen Veränderungen und dem historischen Bestand gerecht wird. Methodisch bedienen wir uns hierbei mit dem Mittel der Bildinszenierung, wie sie im 18. Jahrhundert vom englischen Landschaftskünstler „Capability“ Brown entwickelt wurde. Hierbei handelt es sich um eine Analyse des Bestandes von bestimmten, vordefinierten Standpunkten aus, die zu „View Points“ werden. View Points sind vergleichbar mit Theaterkulissen, die sich dem Betrachter von einer vordefinierten Blickrichtung aus erschließen sollen. Der Bestand im Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund wird dazu graphisch hervorgehoben und zu einem neuen – inszenierten- Bild zusammengesetzt. Also, um neue Akzente und veränderte Texturen bereichert. Für das Herrenhaus in Urgersbach mit seinem parkähnlichen Garten haben wir dazu ca. 15 Standpunkte („View Points“) vom Haus aus und im Garten definiert, die lose aneinandergereiht sind und so zu inszenierten Bildsequenzen werden. Wenn man sich ins Bild hinein bewegt und sich danach ein neuer inszenierter Bildausschnitt eröffnet. So fokussiert z.B ein Standort auf die intensive Bepflanzung im Vordergrund, die von einer im Mittelgrund laufenden, der Inszenierung zusprechende Hanglinie unterstützt wird und ihren optischen Abschluß im Talschluß findet. Jede dieser drei Ebenen unterstützt die andere und so ergibt sich ein Gesamtbild, dass im Kontext der Landschaft als harmonisch wahrgenommen wird. Hierbei gilt es auch sorgfältig abzuwägen, welche Elemente der Gesamtinszenierung des Bildes zuträglich sind und welche Aspekte zu einer Überfrachtung und Sinnesüberflutung führen. Bewusste Pflanzungen von Baumsolitären können hier- im Mittelgrund- zu solch einer Gesamtaufwertung des Bildeindrucks führen, da sie den jahreszeitlichen Rhythmus unterstreichen und vor dem dunklen Hintergrund des Talschlusses besonders zur Wirkung kommen. Jeder Standort für sich müsste so beleuchtet werden, um den Kriterien der „Inszenierten Landschaft“ sowie dem Aspekt der „Geborgten Landschaft“ zu entsprechen. Bei der „Geborgten Landschaft“ gilt es noch wesentlich stärker, die außerhalb des direkten Einflußbereichs liegenden Elemente und Strukturen zu erfassen und passend ins Bild zu integrieren. So entstehen zweidimensionale Bilder, die durch die Bewegung zu dreidimensionalen Räumen werden. Bilder in die man hinein gehen kann und die sich dem Betrachter durch angedeutete Wegeverläufe bzw. Aufenthaltsbereiche erschließen. Der Wiener Stadtpark wurde in den Jahren 1860-1862 vom Landschaftsmaler Josef Selleny und dem Stadtgärtner Rudolf Siebeck auf diese Art und weise entwickelt und steht für das bekannteste österreichische Beispiel der kulissenhaften Bildinszenierung von Gartenräumen. Der Stadtpark war danach ein beliebtes Vorbild bei Villen- und Herrenhausbesitzern im Salzkammergut und um den Semmering. So schließt sich der konzeptionelle Kreis für uns und unter Berücksichtigung des 3. angeführten Grundprinzips, der Pflanzverwendung, wollen wir gestalterisch an der Tradition anschließen, auch „neuere“ Gehölze, wie Amerikan. Roteiche (Quercus rubra), Tulpenbaum (Liriodendron tulipifera) oder die Mahagoni-Kirsche (Prunus serrula) zu verwenden. Mitarbeit: Nicole Raker |
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